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Tag Archives Museum

Tempel der Bildung in New York – Public Library und Morgan Library

By Posted on 18 3 m read

New York Public Library

In New York liegt eine der größten Bibliotheken der Welt: Die New York Public Library beherbergt 51 Millionen Werke. Sie war unser erstes Ausflugsziel in New York. Schon vor dem Gebäude stechen die beiden großen steinernen Löwen Fortitude und Patience ins Auge. Sie tragen um die Weihnachtszeit immer Kränze um den Hals. Außerdem sahen wir kleinere Kränze um den Hals von Büsten im Inneren. Das beeindruckende Beaux Arts Gebäude wird durch eine hohe Halle betreten. Einige Lesesäle, so zum Beispiel ein Zeitungslesesaal liegen im Erdgeschoss, der große Lesesaal im ersten Stock. Auch die Durchgangshalle im ersten Stock ist sehr beeindruckend. Das Büchermagazin jedoch, in dem der Großteil der Bücher liegt, befindet sich in einem nachträglichen Erweiterungsbau unterhalb des angrenzenden Bryant Parks und ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Werke werden an Tresen ausgegeben. Es handelt sich außerdem um eine Präsenzbibliothek, deren Exemplare das Gebäude nicht verlassen.

Die New York Public Library hat ein Exemplar der originalen (B42) Gutenberg-Bibel. Den Wettbewerb der Gutenberg-Bibeln gewinnt jedoch eine zweite New Yorker Institution: Die Morgan Library.

Pierpont Morgan Library

 

sDiese von Jean Pierpont Morgan begründete Institution beherbergt nämlich deren drei, darunter eines der besonders raren Pergament-Exemplare. Der Ursprung der Bibliothek und ihrer Sammlung ist jedoch ein ganz anderer. Sie entstand nämlich als Hobby des berühmten US-Bankiers J.P. Morgan. Unsere Bibliotheks-Führerin bezeichnete sie als seine “Man Cave”. Für mich war eine Man Cave bisher ein verstaubter Kellerraum, in dem der Herr des Hauses dem ungestörten Handwerken, Fernsehen und Biertrinken nachgehen kann. Das Hauptgebäude der Morgan Library jedoch vermittelt den Charakter eines antiken römischen Palazzos mit edelsten Gesteinen, Mosaiken und hohen Säulen.

Im Gebäude der Bibliothek sind Raritäten aus den Sammlungen Morgans zu besichtigen, so zum Beispiel eine spannende Kollektion von Rollsiegeln, Jahrtausende alt und Zeugen der sehr hoch stehenden künstlerischen und handwerklichen Entwicklung der damaligen Zeit. Auch das Arbeitszimmer J.P. Morgans ist zu besichtigen, in dem der mächtige Privatbankier Geschichte geschrieben hat.

J.P. Morgans Arbeitszimmer – ein Ort der Geschichte

Als in der Börsenpanik des Jahres 1907 ein Bank-Run auf die Trust Company of America begann, organisierte Morgan zunächst einen Verkauf von Aktiva des Unternehmens, sodass die Bank bis zum Ende des Geschäftstages liquide blieb. Dies war aber nicht ausreichend und Morgan wusste wohl, dass mehr Geld nötig war, um ein Überleben durch und über den kommenden Tag sicher zu stellen. In der Nacht versammelte er die Präsidenten der anderen Trust Companies, verschloss die Tür und ließ sie nicht mehr heraus, bis sie um Mitternaht zustimmten, Kredite von 8 1/4 Millionen $ auszugeben, was der Bank über den nächsten Tag half. Am Morgen des Folgetages zahlte Cortelyou um die 25 Millionen  bei unterschiedlichen New Yorker Banken ein, John D. Rockefeller, der reichste Mann in Amerika, zahlte weitere 10 Millionen bei Stillman’s National City Bank ein, was sie auf einen Schlag zur Bank mit den größten Reserven aller New Yorker Banken machte. Diese Aktionen halfen die Bank-Runs zu überwinden und waren auch der Anfang vom Ende der Börsenpanik.

J.P. Morgans Arbeitszimmer – New York

J.P. Morgans Mancave ging übrigens testamentarisch an Morgans Sohn über, der jedoch der testamentarischen Empfehlung seines Vaters nachkam und das Gebäude samt der hierin enthaltenen Sammlung der Öffentlichkeit übergab.

Knapp zwei Jahre nach diesem Besuch durfte ich den Prunksaal der Hofburg und Nationalbibliothek Wien besuchen und fühlte mich trotz ganz anderen Stils und Bau in einer weit früheren Zeit durch dessen Pracht und Dimensionen an diese beiden Bibliotheken erinnert.

Frischverführt im HAUM – Neueröffnung des Herzog Anton Ulrich Museum Braunschweig

By Posted on 13 3 m read

Frischverführt im HAUM? Ja, ich habe mich verführen lassen! Im HAUM und vom HAUM. Das Herzog Anton Ulrich Museum ist wohl eines der sinnlichsten der deutschen Museen. Es rührt, berührt und verführt. Und nach jahrelanger Schließung strahlt es vollkommen neu gestaltet und in frischem Glanz.

HAUM – Spiel der Emotionen

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Ich steuere direkt auf Rembrandts Familienbild zu. Schön zu erkennen: Die farbliche Raumgestaltung im HAUM, hier blau, grün und rot.

 

Das Herzog Anton Ulrich Museum trägt nicht umsonst den Namen seines wichtigsten Sammlers: Er war es, der mit brennender Kunstliebe zusammentrug, was ihn am meisten interessierte: Werke, in denen Leidenschaft und Emotion am deutlichsten hervortreten. Das prägt die Sammlung bis heute. Und die neue Ordnung besonders der Gemälde im frisch renovierten Bau zeigt dies ganz deutlich. Die neue Dauerausstellung spricht den Besucher in ihrer Zusammenstellung nämlich im Herzen an, weniger im Kopf. So ist einer der zentralen Säle um Rembrandts berühmtes Familienbild der Familie in unterschiedlichen Formen gewidmet. Der Besucher sieht ringsum themenbezogen die Gemälde verschiedenster Künstler, die sich der Familie, besonders natürlich der heiligen Familie, widmen.

Rembrandt - Familienbild im HAUM

Rembrandt – Familienbild im HAUM

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So geht Familie auch: Cornelis de Vos – Familienbild im HAUM

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Cornelis de Vos – Familienbild im HAUM

 

Das Mädchen mit dem Weinglas - Vermeer im HAUM

Jan Vermeer – “Das Mädchen mit dem Weinglas” im HAUM

Zwei Schritte vorher setzt ein seitlicher Saal ein, der gruppiert um Vermeers “Das Mädchen mit dem Weinglas” das Thema der Verführung spielt. Ringsum wiegt das Spiel zart kaum verhüllter Körper, der Lust und kecker Avancen. Emotion desgleichen in den weiteren Räumen: Es wird gestorben (so in Fiorentinos “Sterbende Kleopatra” oder Pretis “Tod der Dido”), gemordet (in Rubens “Judith mit dem Haupt des Holofernes”) und gerafft (de Vos’ “Allegorie der Vergänglichkeit”).

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Rosso Fiorentino – “Sterbende Kleopatra” im HAUM

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Mattia Preti – “Tod der Dido” im HAUM

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Hans von Aachen – “Die drei Grazien” im HAUM

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HAUM – Spiel der Farben

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Neben dem Herzen dringt das HAUM dem Besucher bei Eintritt auch direkt in den Seenerv: Kahle, weiße Wände wird der Gast in der Gemäldesammlung vergebens suchen. Die hohen Wände (in den zentralen Räumen zweistöckig) sind mit spezial angefertigten, farblich exakt abgestimmter textiler Bespannung versehen, die die alten Meister ganz besonders zum leuchten bringt. Besonders fällt dies auf in einem Raum mit goldgegründeten Andachtstafeln auf kobaltblauer Bespannung. Der Hintergrund bringt die aufgebrachten Gemälde erst richtig zum Leuchten. Einzige Ausnahme ist der oben genannte Vermeer, dessen Kombination aus rotem Kleid, blauem Tischtuch und gelbem Obst nur auf Taubengrau so recht zur Geltung kommt.

HAUM – Sammlung der Neuzeit

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Die Malerei ist sicherlich mein Liebling im HAUM, doch findet sich im renovierten Bau natürlich auch so manches andere. So sind im zweiten Stock Porzellan, Möbel und Skulpturen zu sehen. Lediglich an der winzigen Sammlung von Textilien strebe ich mit leichtem Schauder schnell vorbei. Nennt mich einen Banausen, aber ich finde hierzu einfach keinen Zugang. Ich denke zurück an eine Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld, die sich ausschließlich der textilen Kunst widmete. So schnell habe ich ein Museum noch nie wieder verlassen.

Nicht so im HAUM. Unser Aufenthalt von zwei Stunden reicht allenfalls aus, eine grobe Orientierung zu gewinnen. Doch ich kann schon sagen: Es lohnt sich, hier mehr Zeit einzuplanen. Auch für Abwechslung wird gesorgt, so im bewusst als krassem Gegensatz zur übrigen Ausstellung gestalteten Raum zur “Intervention” junger Kunst, in dem derzeit Wolfgang Petrick im Wunderspiegel den Ground Zero thematisiert. Zumal im neugestalteten Museum auch mehr Raum für Sonderausstellungen vorgesehen ist. So wie vermutlich um die 700 weitere Museen in Deutschland wird auch das HAUM sich nächstes Jahr den 500 Jahren Reformation widmen und 2017 “Im Aufbruch – Reformation 1517 – 1617” zeigen. Es bleibt also spannend im Herzog Anton Ulrich Museum in Braunschweig. Frei nach dem neuen Motto:

Verführung garantiert!

Unser Gruppenbild von der Bloggerreise:

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Ein großes Dankeschön an das Herzog Anton Ulrich Museum für die private Führung und an das Stadtmarketing Braunschweig! Ulli schreibt auf Zypresse unterwegs von ihrer Stadtführung in Braunschweig. Jessy von Life Style Check berichtet in ihrem Beitrag von der Verführung zum Staunen.

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Frischverführt – Die Bloggergruppe vor Vermeers “Das Mädchen mit dem Weinglas”